Monatsbrief August 2026

|   Monatsbriefe

 

 

Zu Beginn des Weges suchte ich einen

guten Ort für meine Meditation.

Mittlerweile praktiziere ich auch, 

um einen guten Ort für andere 

zu kreieren und dorthin einzuladen.“

  • N.N.

 

Liebe Mystik- und Kontemplation-Interessierte!

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!

 

Nach diesem letzten Jahr mit den vielfältigen Veränderungen für die   Weggemeinschaft geht mir vielerlei durch den Kopf. Daran möchte ich in diesem Sommer-Monatsbrief ein wenig Anteil geben. Dazu fiel mir obiges Zitat zu.

Ich vermute, Ihr kennt das: Alles beginnt mit der Sehnsucht. Da ist ein Ruf, ein Sehnen nach Stille, Ruhe, zur Mitte finden, Gott begegnen, das Leben in der Tiefe verstehen wollen, ein Schicksalsschlag, eine bedrohliche Erkrankung „und wir ahnen, dass wir uns innerlich auf den Weg machen müssen...“?). So zieht es uns auf einen Weg der Stille oder Meditation und wir beginnen nach einem guten Ort dafür Ausschau zu halten. Da sind womöglich Lehrende dieses Weges, die eine innere Resonanz auslösen, die anzieht und es sind oft Orte der Stille, an denen Ersehntes erscheint. Kurz: Wir suchen einen guten Ort für unsere Praxis. Für einige Menschen waren dies die Kontemplations-Samstage in der Oase in Köppern oder die Krypta in Heilig Kreuz, der Raum der Stille in der salus Klinik oder das Gemeindehaus in Langenhain. Oder es waren geprägte Orte wie das Haus St. Benedikt in Würzburg, der Benediktushof, die Neumühle, Gnadenthal. Dort erleben wir oft etwas bereitgehalten, was uns in unserer Praxis stärkt und unterstützt. So gehen wir unseren Weg und fühlen uns genährt, unterstützt und inspiriert.

Und dann kann es sein, dass wir bemerken, dass all diese Räume nicht an und für sich bestehen, sondern selbst so etwas wie lebendige Wesen sind, die von allen Menschen leben, die dort praktizieren.

So findet ein innerer Rollenwechsel statt, der gleichzeitig die Geburt von Weggemeinschaft darstellt. Wie heißt es in unserem Text: “Mittlerweile praktiziere ich auch, um einen guten Ort für andere zu kreieren und andere dorthin einzuladen.“

Damit vollzieht sich ein sehr wesentlicher Schritt auf dem inneren Weg, aber auch auf dem Weg einer Weggemeinschaft. Aus mein, mir und mich wird wir und unser. Wie gesagt, Geburt von Weggemeinschaft. Die Lehrenden bleiben bedeutungsvoll und doch wird die Weggemeinschaft, die Gemeinde, Sangha, Gruppe der Praktizierenden bedeutungsvoller und Verantwortlichkeit wird weiter gestreut. Für diese Erfahrung und dieses Bewusstsein möchte ich werben. Auch wir als Weggemeinschaft leben nicht an und für sich, oder gar abhängig von meinem Tun und Lassen als Lehrender. Nein, wir alle bilden diesen Praxisort und diese Praxisgemeinschaft. Du praktizierst nie nur für Dich, auch für uns und mehr noch für die Menschheit und die Erde insgesamt. Das kennen viele Praktizierende gerade am Anfang: Dein Sitzen und Mühen um Stille macht es stiller in mir, lässt es mich leichter aushalten bei und mit mir. Ein persönliches, aktuelles Beispiel: Ich war gerade zum Monatswechsel zu Gast am Johanneshof bei der Dharma Sangha im Hochschwarzwald. Die sitzen in der Soto-Zen-Tradition länger als wir - morgens zweimal 40 Minuten zum Auftakt. An einem Morgen saß ich (die Plätze werden jeweils neu zugewiesen) neben dem Tenso, dem Koch des Klosters. Der saß wie in Stein gemeißelt in einer Sammlung, Stille, Ausstrahlung- wow! Als ich in der zweiten Runde ein wenig schwächelte, lehnte ich mich innerlich an seine Stille, Sammlung und Ausstrahlung und wurde ruhiger. Welch eine Unterstützung!

 

Häufig werde ich gegenwärtig gefragt, was jetzt, in diesen irren und wirren Zeiten, zu tun sei. Ich sehe vor allem Zweierlei: Bommi Baumanns alten Aufruf „bildet Banden!“ – Das hieße für mich: Bleibt nicht vereinzelt, bildet Gruppen und Gemeinschaften, die das als richtig Erkannte zu tun versuchen.

Und gerade darum scheint es mir zu gehen. Wir, die wir einen Geschmack erlangt haben von Stille, Klarheit, Verbundenheit, Zugehörigkeit zum Sein selbst, dürfen nicht aufhören mit der Praxis, der wir diesen Geschmack verdanken.

Nein, wir sitzen nie nur für uns in der Stille, sondern fördern mit unserem Bemühen um Geistesschulung, Klärung, Stille und Versöhnung all dies weit über uns hinaus. Und was mir in den gegenwärtigen Krisen noch deutlicher und überzeugender geworden ist: Es braucht einen kollektiven Bewusstseins-Entwicklungs-Sprung der Menschheit, um den aktuellen komplexen, gefährlichen Herausforderungen und Krisen angemessen und heilsam begegnen zu können. Und ich verstehe unsere individuelle und gemeinsame Praxis als einen kleinen Baustein dafür. Denn unsere Welt braucht Menschen, die Gebet geworden sind, die in der Stille durchs Fegefeuer, durch den Kampf mit ihren individuellen und kollektiven Dämonen gegangen sind und Klärung, Befreiung und Reifung dadurch erlangt haben und deshalb im Alltäglichen nicht mehr blind ihren konditionierten Reiz-Reaktions-Mustern unterworfen sind, sondern durch den Spalt der Bewusstheit befähigt sind, frei das Lebensförderliche zu wählen. Nach diesem Ausflug in die Weite der menschheitlichen Bewusstseins-Entwicklung zurück zu unserer konkreten kleinen Weggemeinschaft.

Ich werbe also für ein wachsendes Bewusstsein für gemeinschaftliches Praktizieren - in zweierlei Hinsicht: Einerseits, gib Dir selbst die Gelegenheit, Dich in diesen Kontext einzugliedern und zu bewegen. Das hat eine Wirkung auf Dich, hilft Dir, die Praxis zu stabilisieren und zu normalisieren. Unterschätze das nicht!

Andererseits stärkst Du damit aber auch das gemeinschaftliche Feld und trägst mit dazu bei, dass unsere Weggemeinschaft Kraft und Ausstrahlung gewinnt. So werbe ich für ein Bewusstsein, welches die Schwelle vom ich zum Wir genommen hat und weiß, dass unser Praktizieren nicht beliebig und belanglos ist. Nicht für uns selbst, nicht für unsere Weggemeinschaft, nicht für unsere Menschheitsfamilie, Gesellschaft und Welt. Du bist bedeutsam:

Ich bin, so es geht, grundsätzlich dabei, ist etwas anderes als: Ich komme, wenn es gerade mal gut in den Kram passt, nichts anderes als Möglichkeit existiert und ich Lust habe. Das ist natürlich möglich und doch verstehst Du wohl den Unterschied. Du enthältst sowohl Dir als auch der Gemeinschaft damit etwas vor. Ändert dies etwas an unserer grundsätzlichen Offenheit: „Wer da ist, ist da und gehört dazu, ja macht die Weggemeinschaft aus?“ - Nein, daran liegt mir viel, das soll bleiben und gleichzeitig braucht es ein Bewusstsein, dass auch unsere Angebotsformate nicht an und für sich bestehen.

Immer noch träume ich z. B. davon, dass die Woche der Weggemeinschaft mal so etwas wie Familien- oder Klassentreffen der Zugehörigen wird, das Zentrum unserer jährlichen Praxis als Weggemeinschaft, unser Wir stärkend, nährend und inspirierend. Ähnlich ergeht es mir mit dem Tag der Weggemeinschaft (der zukünftig mit der Mitgliederversammlung des Vereins verbunden sein wird) und dem Jahresvortrag. Die Woche der Weggemeinschaft wird im kommenden Jahr vom 23. bis 27. Juni 2027 stattfinden, früh veröffentlicht, um in Jahresplanungen Eingang finden zu können. Anmeldungen werden schon von mir entgegengenommen.

 

Was also wünsche ich mir für unsere Weggemeinschaft? Mögen wir sie als durch uns lebenden Organismus wahrnehmen und uns der Wirkung gemeinsamen Praktizierens bewusst sein.

Lasst uns den Praxis-Austausch üben, mitfühlendes Hören und liebvolles Sprechen. Nicht als Bruch des Schweigens und der Stille, sondern um die Stille zu Wort kommen zu lassen. Und lasst uns das als heilsam Erkannte tun und andere dazu einladen und mögen wir uns der Bedeutsamkeit solcher Praxisräume in unserer herausfordernden Zeit bewusst sein. Unsere Welt braucht solche Praxisräume, gerade jetzt. Seien wir eine der Banden, die zeigen, dass eine andere Welt möglich ist.

 

Traditionell ist der August ja unser Ferienmonat, so auch in diesem Jahr.

So fallen die Einladungen zu gemeinsamer Praxis etwas spärlicher aus.

 

Zuvor noch zwei Neuigkeiten aus der Weggemeinschaft

Austauschplattform

Linda Geppert, eine regelmäßige Teilnehmerin der Abende der Stille und Kontemplation äußerte schon lange den Wunsch nach weiterem Austausch über den an den Abenden hinaus. Sei es, um die Wochenimpulse weiter zu besprechen, sei es über Monatsimpulse zu reden, oder andere Fragen, die Weggemeinschaft betreffend. Diesen Vernetzungsimpuls finde ich gut. Sie hat dafür zunächst eine Mailplattform geschaffen, zu der ich in ihrem Namen herzlich einlade. Ich bin dabei. Ob es auf Dauer unser Medium ist, oder sich ein anderes herauskristallisiert ist offen. Da wir aber immer weniger eine lokal oder regionale Weggemeinschaft sind, werden die Austauschmöglichkeiten bedeutsamer. So ermutige ich Euch herzlich, dieses Angebot zu nutzen. Hier ein Zugangs- und Erklär-Link.

 

https://www.kontemplationundmystik.de/fileadmin/sonstige/anmeldung_kontemplationmystik_v.pdf

 

Gesprächsraum zum Monatsbriefimpuls

Ich wurde gefragt, ob es nicht einen Austauschraum über den jeweiligen Monatsimpuls geben kann. Dies leuchtet mir sehr ein. Ich investiere monatlich einiges an Kraft uns Zeit in diese Impulse, setze sie mit Bedacht und frage mich oft, ob sie überhaupt gelesen werden und Resonanz finden. Für mich stellen sie zumeist bewusst gesetzte Entwicklungsimpulse für unsere Weggemeinschaft dar. Gern komme ich darüber ins Gespräch und biete erstmals dafür einen Austauschraum an:

Austauschraum Monatsimpuls August

Dienstag, den 11 August 19.00-20.15 Uhr keine Anmeldung erforderlich:

 

https://meet.jit.si/MonatsimpulsaustauchraumWeggemeinschaft

 

Nächste Praxisangebote

Die Abende der Stille und Kontemplation digital, donnerstags 

19.00 bis 21.00Uhr, gehen weiter. Den Zugang bekommt Ihr über den Anforderungslink auf der Website www.kontemplationundmystik.de, rechte Spalte, unter den aktuellen Terminen. Wir haben die Plattform gewechselt.

 

Ausblicke:

18. September: Treffen der Schulungsgruppe (16.00 Uhr bis 21.00 Uhr)

 

19. September: Kontemplationstag im Zentrum Taunusblick, Obereschbach

 

20. September: Gottesdienst aus der Stille, 17.00 Uhr, St. Elisabeth,  spirituelles Zentrum Taunusblick

 

14. September bis 09. Oktober: Alltagsretreat Presencing - Kontemplation in Aktion im Alltag, Anmeldung über den Benediktushof (auch in Einzelblöcken möglich). Das Ist ein mir sehr wichtiges Angebot, erstmalig in diesem Format, an dessen Zustandekommen mir viel liegt.

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08. bis 11. Oktober: Kontemplation, heilsame Klänge und mantrisches Singen, Benediktushof, mein nächster und letzter offener Präsenzkurs für dieses Jahr, es gibt noch reichlich Plätze.

 

31, Oktober: Jahresvortrag Presencing – Kontemplation in Aktion im Alltag 18.00 Uhr, St. Elisabeth, spirituelles Zentrum Taunusblick, Obereschbach.

 

Woche der Weggemeinschaft 2027:  23. bis 27. Juni, Benediktushof, Gastkurs, Anmeldung bei mir direkt.

 

Nun kommt gut durch die sommerliche Hitze und habt eine erholsame und inspirierende Ferienzeit, vielleicht sehen wir uns ja am Dienstag zum Austausch über den Monatsimpuls

In Vorfreude auf Wiedersehen und gemeinsame Praxis grüße ich herzlich

 

Sven