Monatsbrief September 2026

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"Eine wahre Sangha

 praktiziert die Lehre der Befreiung 

und wird frei; 

eine wahre Sangha praktiziert Verstehen 

und wird verständnisvoller;

 eine wahre Sangha praktiziert Mitgefühl 

und wird mitfühlender.

 Wenn wir einander stützen, 

können wir viel stärker werden, 

und wir können der Versuchung der Verzweiflung 

leichter widerstehen."

 

Und mit dem Bild vom Tiger, der den schützenden Berg verlässt:

 Wer die Gemeinschaft verlässt, 

wird früher oder später vom Vergessen des Alltags eingeholt. 

Die Gemeinschaft ist der Ort, 

der uns schützt und wach hält.

 

Thich Nhat Hanh

 

Liebe Mystik- und Kontemplation-Interessierte!

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!

Im Fortgang des Impulses zum letzten - diskutierten und auch kritisierten - Monatsbrief möchte ich das Thema Weggemeinschaft nochmals weiterführen und damit auch ein wenig von meiner Vision teilen. Dem dient auch obenstehendes Zitat von Thay.

Weggemeinschaft stellt ja zwei Fragen: welcher Weg und welche Gemeinschaft?

Der weglose Weg:

Immer wieder habt ihr gehört von mir: Die Weggemeinschaft ist die Gemeinschaft eines Weges, den es nicht gibt. Es ist essentiell zu verstehen, dass es auf diesem Weg nichts zu erreichen gibt. Er führt auch nirgendwo hin, außer an den Ort und in den gegenwärtigen Augenblick. Das ist enttäuschend und befreiend. Warum ist das wichtig?

Wäre es ein definierter Weg, hätte er einen Anfang, eine Wegstrecke und ein Ziel – definierte, beschreibbare Schritte, messbare Fortschritte – wäre er verzweckt. Ich gehe ihn um zu…- Geist der Kaufmannschaft nannte das Meister Eckhart. Die Übung des kontemplativen Gebetes ist ein Weg, der an kein Ziel und an kein Ende kommt und gleichzeitig jederzeit vollständig genügt. In der Praxis verkörperst Du leibhaftig Augenblick für Augenblick Präsenz und Einheit durch die Vergegenwärtigung der Anwesenheit.

 

Praxis- und Weggemeinschaft:

So ist unsere Weggemeinschaft zuförderst eine Praxisgemeinschaft des kontemplativen Gebetes. Bei allen Strukturen, die sich ausgebildet haben (Verein; Spirituelle Leitung, Lehrkörper, Schulungsgruppe), bleibt gültig: Wer da ist, gehört dazu, ist Teil und zugehörig (sei es körperlich oder innerlich in gewidmeter oder empfundener Praxis). 

Sie lebt von, aus und in dem unaussprechlichen Geheimnis,

welches sie und wir als Einzelne zutiefst in unserem Wesensgrund  schon immer sind, weshalb es ja auch nichts zu erreichen, bestenfalls etwas zu realisieren und zu verkörpern gilt. Präsenz, Gegenwärtigkeit und Einheit sind immer schon da, nicht zu machen, zu erreichen, sondern zu realisieren.

 

Diese gemeinsame Praxis lädt bestimmte Qualitäten ein:

Praktizierte Gegenwärtigkeit macht gegenwärtiger,

praktiziertes Mitgefühl macht mitfühlender,

praktizierte Öffnung macht offener,

praktiziertes Wohlwollen macht wohlwollender,

praktizierte Klärung macht geklärter,

vergegenwärtigte Verbundenheit wehrt gegen Vereinzelung,

praktizierte Erdung macht stabiler und sicherer gegen Versuchung und Verwirrung.

 

Weggemeinschaft als geteilter Raum:

Raum der Erinnerung und Vergegenwärtigung, wir erinnern gemeinsam immer wieder - im Praktizieren der Rituale - das größere, umfassende, über Raum und Zeit hinausgehende Geheimnis, dem wir uns verdanken, die Wirklichkeit vor Himmel und Erde. Das ist andauernder Widerstandsakt gegen alles Be- und Verrechenbare, scheinbar Eindeutige, welches dem Leben den Zauber nimmt und es reduziert auf Effektivität und Empirie.

 

Weggemeinschaft als Möglichkeitsraum:

Wir üben in der formalen Praxis des Sitzens in Stille grundsätzlich Akzeptanz, Anerkennung, Selbstmitgefühl und Wohlwollen ein, zunächst mit uns selbst, dann auch miteinander, dann aber auch unter uns und darüber hinaus. So ist die Weggemeinschaft schon für einige Menschen zu einem Raum korrigierender Erfahrung geworden, Laborraum, in dem alte Prägungen, Muster, Konditionierungen und Trauma-Antworten korrigierend in Frage gestellt werden konnten. Da sein, einfach da sein dürfen! (ich schreibe dies, wissend um meine Begrenzungen in der Vergangenheit, wo ich dies nicht einlösen und halten konnte). Und doch, so wünsche ich mir die Weggemeinschaft.

Möglichkeitsraum auch im weiteren Sinn: Tiefe entdecken zu können, von der Oberfläche in die Tiefe der Sammlung, der Selbsterkenntnis, der Einsicht, des Mitgefühls, der Liebe.

 

Möglichkeitsraum menschheitlicher Entwicklung. Was heißt es, ganz Mensch und ganz menschlich zu sein? In unserem individuellen und gemeinsamen Praktizieren sind wir Teil auch der kollektiven Bewusstseinsentwicklung hin zu einer lebensförderlichen, schöpfungsfreundlichen, friedensfähigen, achtsamen, mitfühlenden, widerständigen Lebenskultur. Dieses Bewusstsein ist mir sehr wichtig, auch weil es Rückzug in Individuelles und Innerlichkeit wehrt.

 

So lebt die Weggemeinschaft Gemeinschaft als wachstums- und entwicklungsförderlichen Raum, geprägt durch nicht wertende, wohlwollende Anerkenntnis dessen, was ist und sie vertraut darauf, im gemeinsamen Raum der Stille und Präsenz Widersprüchliches, Schmerzliches, Verletztes halten zu können. Sie vertraut damit auf die Heilung, Klärung und Versöhnung einladende Kraft der Stille.

So vertrauen wir auf die zugrunde liegende Einheit und verkörpern sie gleichzeitig. Wie verheißt doch der Liebhaber des Lebens aus Nazareth? Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich (und der Vater) mitten unter ihnen (Mt. 18,20). Unsere und die göttliche Präsenz und Gegenwärtigkeit sind nicht zwei.

In diesem Sinne lasst uns weiterhin Weggemeinschaft leben, gestalten, verkörpern und entwickeln, gerade in diesen irren und wirren Zeiten:

"The death of human empathy is one of the earliest and most telling signs of a culture about to fall into barbarism." Hannah Arendt zugeschrieben, in ihrem Werk aber nicht wirklich nachweisbar, gleichwohl aktuell mehr als passend.

 

Hier nun weitere Infos und Gelegenheiten zu gemeinsamer Praxis:

 

Neues aus der Weggemeinschaft

Dank an Julian Becker: Er hat ein knappes Jahrzehnt seit 2017 unsere Website betreut und zu Beginn des Jahres aus persönlichen und familiären Gründen um Ablösung bis zum Jahreswechsel gebeten. Diese hat sich jetzt erstaunlich früh und undramatisch vollzogen. Ab jetzt wird Andrea Hörster, z.Zt. Bundesfreiwillige im Haus Gries, diese Aufgabe übernehmen. Im Hintergrund wird Linda Geppert im Rahmen ihrer erkrankungsbedingten Möglichkeiten mitwirken.

Beiden ein herzliches Dankeschön für die Bereitschaft und Einarbeitung. Ich wollte es zunächst ja weder glauben noch zugeben: Die Website ist zu unserem zentralen Kristallisationspunkt geworden und mit ihrem reichhaltigen Material (Artikel, Übungen, Aufnahmen, Videos) auch zu einem Schatzkästchen. Möge es ein harmonisches, kreatives, freudvolles, erfüllendes Zusammenwirken sein in diesem wichtigen Feld der Weggemeinschaft.

Aber natürlich gilt heute unser besonderer Dank Julian Becker! Er hat in schwieriger Situation die Aufgabe übernommen und sie über diese Jahre hinweg treu und zuverlässig erfüllt. Ob der digitalen Unbedarftheit des Leiters hat er nie die Nerven verloren. 

Finanzvorstand / Kassenwart:

Wie schon im letzten Monatsbrief berichtet sind wir nach der aus persönlichen Gründen erfolgten Absage von Mathias Goost wieder auf der Suche. Die Arbeit ist überschaubar und die Vorstandsarbeit bisher konstruktiv und angenehm. Vielleicht kannst Du es Dir ja selbst vorstellen, diese Aufgabe zu übernehmen oder Dir fällt jemand ein, den Du oder wir fragen könnten. Lass es uns bitte wissen.

 

Die nächsten Angebote:

Auch zu diesem Impuls soll es wieder einen Austauschraum geben, zu dem Du herzlich eingeladen bist:

Dienstag, 22. September, 18.00 bis 19.00 Uhr

https://meet.jit.si/MonatsimpulsaustauschraumWeggemeinschaft

Eine Anmeldung ist nicht nötig, einfach dazukommen.

Die Abende der Stille und Kontemplation digital, donnerstags 

19.00 bis 21.00Uhr, gehen weiter. Den Zugang bekommt Ihr über den Anforderungslink auf der Website www.kontemplationundmystik.de, rechte Spalte, unter den aktuellen Terminen. Wir haben die Plattform gewechselt.

19. September: Kontemplationstag im Zentrum Taunusblick, Obereschbach, An der Leimenkaut 5

20. September: Gottesdienst aus der Stille, 17.00 Uhr, St. Elisabeth, spirituelles Zentrum Taunusblick

14. September bis 07. Oktober: Alltagsretreat Presencing - Kontemplation in Aktion im Alltag, Anmeldung über den Benediktushof (auch in Einzelblöcken möglich). Das ist ein mir sehr wichtiges Angebot, erstmalig in diesem Format, an dessen Zustandekommen mir viel liegt.

08. bis 11. Oktober: Kontemplation, heilsame Klänge und mantrisches Singen, Benediktushof, mein nächster und letzter offener Präsenzkurs für dieses Jahr. Es gibt noch reichlich Plätze.

31. Oktober: Jahresvortrag Presencing – Kontemplation in Aktion im Alltag, 18.00 Uhr, St. Elisabeth, spirituelles Zentrum Taunusblick, Obereschbach.

Woche der Weggemeinschaft 2027:  23. bis 27. Mai, Benediktushof, Gastkurs, Anmeldung bei mir direkt.

 

Nun wünsche ich Euch einen guten Übergang aus dem Sommer in den Herbst, der allmählich ansteht und freue mich auf Begegnung, Wiedersehen und gemeinsame Praxis.

In Vorfreude grüße ich Euch herzlich

Sven