Monatsbrief Juli 2026
„Was wirklich zählt ist nicht,
wie man aus dem Leben
am meisten herausholt,
sondern wie ihr euch sammelt,
damit ihr euch ganz hingeben könnt.
- Thomas Merton
Liebe Mystik- und Kontemplation-Interessierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!
Hinter uns liegt der Tag der Weggemeinschaft mit Mitgliederversammlung unseres neuen Vereins
und eine kleine, feine, intensive Woche der Weggemeinschaft.
Viele Fragen haben uns beschäftigt: nach äußerer Gestaltung, da sind wir auf einem guten Weg,
(haben das Lager in Heilig-Kreuz geräumt und neue Lösungen in Ober- und Nieder-Eschbach im Blick),
mehr aber noch nach innerer Gestaltung (was sind die Aufgaben des Vereinsvorstandes, des Lehrkörpers, der spirituellen Leitung?).
Am intensivsten waren aber Fragen des Praktizierens und der Bezogenheit.
Welche Erwartungen haben wir als Praxisgemeinschaft aneinander?
Gibt es gestaffelte Verbindlichkeit und wer ist zu welcher Verbindlichkeit bereit,
welche ist nötig, um gemeinsam praktizieren zu können? Das wird uns sicher weiter beschäftigen.
Und so ist mal wieder die Idee einer Visions-Suche der Weggemeinschaft aufgetaucht.
Diese soll es vermutlich im kommenden Jahr mehrstufig geben.
Es bleibt spannend und bewegt.
Und in diese offene, fragende Situation hinein der Impuls von Thomas Merton:
Es geht nicht um das Herausholen, sondern um die Hingabe.
Das ist bei Lichte betrachtet ein brutaler Widerstandssatz gegen unsere übliche Prägung
und Denke: „Es muss sich doch lohnen, warum sollte ich sonst etwas tun?
Aufwand und Ertrag müssen doch in einem ordentlichen Verhältnis stehen. Was bringt mir das?“
Und so kamen wir auch alle auf den spirituellen Weg. Da war eine Ahnung,
Sehnsucht, Verheißung, die ein Mehr verhieß und versprach: Ruhe, Zufriedenheit, Mitte,
Sammlung, Gottesnähe, Resilienz. Der Spur folgten wir, und wir müssen auch etwas erhalten haben,
sonst wären wir vermutlich nicht mehr hier. Und doch wird das, was uns ursprünglich rief,
auf Dauer und im Laufe des Weges zum Hindernis. Das gilt es deshalb zu lassen.
Geist der Kaufmannschaft nannte Meister Eckhart dies, Kuhhandel mit Gott.
Eine Haltung des Um-Zu blockiert den Weg auf Strecke. Absichten, so motivierend
und kraftspendend sie zunächst waren, werden zum Hindernis und zum Krafträuber.
Es geht nicht ums Herausholen, sondern darum, mich zu sammeln, um mich ganz hineingeben zu können.
Das üben wir ja: mit dem zu sein, was ist und uns dem ausliefernd hinzugeben.
Die So-Heit des Augenblicks gewahrend, ohne etwas zurückzuweisen oder herzuholen.
Hingabe an den Augenblick, im vollflächigen Kontakt mit dem Leben und der Lebendigkeit.
Da kommt mir ein unlängst gehörter Satz in den Sinn:
„Als ich anfing zu praktizieren, suchte ich einen guten Ort für meine Praxis,
heute praktiziere ich, um einen guten Ort für andere bereitzuhalten und zu helfen,
ihn zu kreieren.“ – Ja, so wünsche ich mir die Weggemeinschaft auch.
Als guten Ort zum Praktizieren für andere, wo Menschen sich eingeladen fühlen,
die Praxis des kontemplativen Gebetes kennenzulernen, aufzunehmen und zu vertiefen.
Und um etwas zu erfahren, wovon Br. David Steindl-Rast im Blick auf seine letzte Begegnung
mit dem Trappisten Thomas Merton sprach:
„Wenn ich mich an meine letzte Begegnung mit ihm erinnere, sehe ich ihn im Wald stehen
und dem Regen lauschen. Viel später, als er zu sprechen begann,
hat er nicht die Stille gebrochen, er hat sie zu Wort kommen lassen.“
Das leuchtet mir gerade als Nordstern.
Wie kann unser Kommunizieren in und als Weggemeinschaft die Stille sprechen lassen?
Hier nun Hinweise zu gemeinsamer Praxismöglichkeit über den Sommer:
- Der Abend der Stille und Kontemplation, donnerstags 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr,
macht keine Sommerpause (drei Runden des Sitzens, Impulsvortrag zu Willigis Jäger, Abendritual, Austausch-Möglichkeit)
Achtung: Ab 09.07. neuer Zugang. Du kannst ihn auf der Website www.kontemplationundmystik.de abrufen,
rechte Spalte unter den aktuellen Terminen.
Der Wochenimpuls ist jeweils ab ca. 22.30 Uhr auf dem YouTube- Kanal der Weggemeinschaft abrufbar.
Fortgang mitbestimmen: Ende Juli endet die lange Phase der Wochenimpulse,
die sich mit der Entwicklung von Willigis beschäftigten.
Wenn Du Fragen oder Themenschwerpunkte für den Fortgang wünschst, lass es mich bitte wissen.
- Der Kontemplationstag am 11. Juli entfällt wegen voraussichtlich großer Hitze.
- Der Gottesdienst aus der Stille am 12. Juli um 17.00 Uhr
findet im Zentrum Verkündigung,
Markgrafenstr.14, in Frankfurt-Bockenheim statt.
Da ich an diesem Tag allein gestalten werde, bitte ich um Hilfe.
Kann mich jemand unterstützen?
- Traditionell findet im August kein Kontemplationstag statt, der nächste ist am 19. September in Obereschbach.
Zu einem meiner Highlights dieses Jahres lade ich erneut herzlich ein:
- 14.09. bis 07.10. - Digitales Alltagsretreat Kontemplation und Presencing.
Das erwarte ich als intensive gemeinsame Praxis- und Erforschungszeit.
Anmeldung über den Benediktushof.
- Und der nächste Präsenzkurs: 08. bis 11. Oktober, Kontemplation, heilsame Klänge und mantrisches Singen,
Benediktushof. Auch dazu herzliche Einladung.
Mir sehr wichtig, deshalb schon jetzt:
- Nächste Woche der Weggemeinschaft (um einen Tag verkürzt): 23. bis 27. Mai 2027, Benediktushof.
Die Anmeldung ist eröffnet, da Gastkurs, Anmeldung bei mir.
Nun wünsche ich Euch eine schöne, hitzemäßig erträgliche Sommerzeit mit Zeit zum Durchschnaufen,
zur Erholung und zum Praktizieren - formal und informell - und Inspiration.
In Vorfreude auf Wiedersehen und unseren Fortgang
Sven
