Monatsbrief März- April 2015
Friedrichsdorf, Epiphanias 2015
Monatsbrief März- April
Ziel des Lebens kann dann nichts anderes sein als den verlorenen Sinn wiederzufinden.
Das Einssein des Menschen mit seinem Urgrund,dank dem er zum göttlichen Sein erwachen kann, verpflichtet ihn auch,
dies im Dasein zu manifestieren.
Das Sein im Dasein darzuleben, ist die Bestimmung des Menschen.
Außerhalb dieser Bestimmung gibt es keine wahre Erziehung
und keine wahre Heilkunst.
Karlfried Graf Dürckheim
Liebe Mystik- und Kontempltionsinteressierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!
Die letzten zwei Wochen verbrachte ich in Rütte, dem Ort, an welchem Graf Dürkheim wirkte. Dies war nach der Phase der stationären Reha eine sehr gute Zeit für mich. Darzuleben, dem Gestalt zu geben, was wir zutiefst sind als Sinn unseres Daseins. Wie also können wir zeugen, werden wir durchscheinend, transparent für das göttliche Sein, dem wir uns verdanken und welches sich durch uns ausdrückt? Die Buddhisten nennen dies: „Die Welt braucht nicht mehr Buddhisten. Was die Welt braucht sind mehr Buddhas.“
Übertragen auf uns: „Die Welt braucht nicht mehr Christen. Die Welt braucht mehr Christusse, aus dem Christusbewusstsein Lebende, Gebet Gewordene.“
Dieser Bewusstseinserweiterung, die sich hoffentlich immer mal als Bewusstseinserheiterung darstellt, dient unser Praktizieren.
Einige Worte zu mir: Nunmehr sind annähernd zehn Wochen seit meinem Schlaganfall vergangen. Die Akut-Phase ist nunmehr vorbei. Insgesamt bin ich sehr dankbar und fühle mich bewahrt. Oder mit den Worten des Neurologen: „Wenn ich die Bilder ihres Gehirns und dann sie sehe, fällt es mir schwer zu glauben, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt. Ich höre: „Das hätte auch anders ausgehen können!“ Insgesamt habe ich mich erstaunlich schnell regeneriert: Die Lähmung ist fast vollständig zurückgegangen. Ich kann wieder Stehen und Gehen, spüre den Boden wieder unter den Füßen und habe Gleichgewicht wieder gewonnen. Ich kann wieder Schlucken, mit Messer und Gabel essen, mich an- und ausziehen, Schuhe binden. Und ich kann wieder ganz gut Sprechen. Denn dies war für mich das Bedrohlichste: Am Anfang zu merken, dass ich nicht mehr Denken kann. Und als das wieder ging zu merken: „JA, du kannst einen Gedanken fassen, aber wenn du ihn aussprichst, verstehst weder du selbst noch irgendwer, was du da sagst.“ Die Unfähigkeit Bewegung bewusst zu steuern war schon sehr unangenehm, aber der Verlust der verbalen Ausdrucksfähigkeit überstieg dies noch bei Weitem. So bin ich froh, dass ich wieder flüssig und verständlich reden kann. So habe ich mich entschlossen, sehr ermutigt durch die Sprachtherapeutin, die beiden für diesen Monat geplanten Vorträge zu halten, auch wenn die geplante Rückkehr sich durch den Schlaganfall leider weiter hinauszögert. Das geplante Datum 7.4.2015 wurde von den Behandlern schon gleich als sportlich zu ambitioniert angesehen. Und mittlerweile ist mir auch die Einsicht zugewachsen, dass dies durchaus realistisch war. Auch wenn die motorischen Einschränkungen stark zurückgegangen sind, ist das Leben doch sehr anstrengend geworden. Dies liegt einerseits an einer stärkeren Aufmerksamkeitsstörung, die mir geblieben ist. Diese lässt mich schnell ermüden. Zudem fordern solche Dinge wie Reißverschlüsse und Schnürsenkel meine vollste Aufmerksamkeit, zudem schöpfen die zehn wöchentlichen ambulanten Reha-Termine meine Kapazität schon weitgehend aus, vor allem, da ich diese wegen einem Fahrverbot mit dem ÖNVP bewältigen muss, was sehr zeitaufwändig ist.
Aber natürlich soll es trotzdem weitergehen mit den gemeinsamen Möglichkeiten des Übens.
Folgende Einladungen dazu:
1. Jubiläums-Vortrag Spiritualität und Lebenskultur aus der Stille und Feier des Lebens Sonntag 15.3. 17.00 – 19.30 Uhr im Tagungszentrum Schmerlenbach, Schmerlenbcherstr. 8, 62768 Hösbach
Die dortige Weggemeinschaft feiert ihr 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass gibt es einen Kontemplationstag von 10.00 – 16.00 Uhr und anschließend Vortrag und Feier.
Dies wird das erste Mal sein, dass ich wieder etwas öffentlich sage. Ich bin sehr gespannt, wie sich das anfühlt und wie es geht.
Noch eine Bitte: Da ich selbst noch nicht fahren darf, bin ich auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen. Falls also jemand den Sonntagnachmittag auf diese Weise verbringen möchte, wäre ich für eine Mitfahrgelegenheit dankbar und freue mich über jedes bekannte Gesicht an diesem Tag besonders.
2. Vortrag für das „Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln Hofheim e.V.“ : „Alles spirituell – Von der Verflachung eines Modewortes und von authentischer Praxis“ Donnerstag, den 26. März um 20.00 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Hofheim-Langenhin, Alt-Langenhain 39-41. Eintritt 11,- ermäßigt 9,00 €
Auch hierfür gilt wieder das bereits oben Gesagte: Ich bin auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen und dankbar dafür.
3. Kontemplationstag am 28.3.2015 – Achtung: Ortswechsel nach Köppern !
Leider ist der geplante Kontemplationstag Ende März mit der öffentlichen Feier des Lebens in der Christuskirche für mich noch zwei Nummern zu groß, auch wegen des organisatorisch-logistischen Aufwandes. Deshalb wird der Kontemplationstag nach Köppern verlegt und die Feier des Lebens muss leider ausfallen. Vielleicht können wir dies ja bei meiner späteren Rückkehr nachholen.
4. Osterkurs vom 31.3. – 5.4.2015 auf dem Benediktushof. Daran werde ich voraussichtlich mitwirken und freue mich auf die Auferstehungsfeier.
5. Abschluss Weiterbildung Spiritualität in der Sterbebegleitung 17.-18.4.2015
Mit diesen Tagen endet die zweijährige Weiterbildung. Hinweis für Interessierte: Im November beginnt ein weiterer Durchgang. Anmeldung ist bereits bei Helgard Kündiger oder mir möglich. Ob der Voranmeldungen gehen wir davon aus, dass die Weiterbildung zustande kommt.
6. Mitsingkonzert "So viel Himmel" mit Susanne Mössinger und Klaus Nagel am 19. April um 19.00 Uhr in der salus Klinik
7. Kontemplationskurs: Kontemplation und achtsam-friedvolles Gehen m Benediktushof vom 26.-29. April 2015
8. Abend der Stille und Kontemplation, Donnerstags 19.30 – 21.30 Uhr in der salus klinik
Soweit die nächsten Möglichkeiten der Weggemeinschaft und des gemeinsamen Praktizierens. Ich freue mich sehr drauf, in absehbarer - wenn auch noch nicht genau terminierbarer - Zeit wieder grundsätzlich präsent sein zu können.
So wünsche ich eine gute Passionszeit und ein Osterfest, welches uns unsere wahre Natur fühlen lässt.
Sven-Joachim Haack
