Monatsbrief Januar - März 2015

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Friedrichsdorf, Epiphanias 2015

Wir sind die Magier.
Wir kommen von weit her gegangen,
aus der Dunkelheit unserer Ich-Zentrierung.
Auch wir haben erst bei Herodes gesucht und in den Palästen,
bis wir erkannt haben:
Dort ist es nicht zu finden.
Es scheint in den einfachen Dingen des Lebens auf,
im Hier und Jetzt des Alltags.
Aber es dauert lange, bis wir das erkennen,
dann aber ändert es unsere Weltanschauung.
Und darum ist es wert, dass wir alles auf eine Karte setzen,
um Seine Epiphanie in Allem zu erkennen.

Willigis Jäger

 

Liebe Mystik und Kontemplation Interessierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten !

Da machen sich Drei auf, ihrer Sehnsucht zu trauen. Sie haben sich nicht blenden lassen. Nicht von dem Glitzern und den vielen Lichtern, den vielfältigen Angeboten ihrer Zeit, den äußerlichen, scheinbaren Notwendigkeiten, dem Alternativlosen. Den Stern zu entdecken hat zur Voraussetzung, sich der Nacht, dem Dunkel, dem Schatten auszusetzen, es auszuhalten, dem Nichtwissen Raum zu geben, den vorschnellen Antworten zu misstrauen, offen zu halten.

Und dann ist es ein weiter Weg zum ersten Schritt, zum Aufbruch. Oft mutet uns etwas an, manchmal wissen wir sogar sehr genau, was förderlich und heilsam wäre – und tun es doch nicht, bleiben im Gewohnten, machen uns nicht auf. Es ist ein weiter Weg von der Anmutung, der Seinsfühlung hin zum Aufbruch, dem Folgen des inneren Rufes der Ganzheit.

Und noch der Weg kann in die Irre führen. Die Drei suchen im Palast, da wo wir das Königliche erwarten. Aber dort ist es nicht, das göttliche Kind, Symbol unserer Ganzheit. Nicht im Außergewöhnlichen leuchtet uns Gott auf. So lange wir das Göttliche darauf reduzieren, trennen wir uns ab, spalten es auf und verfehlen den Sinn des Festes der Erscheinung. Es geht um unser wahres Wesen, die Essenz unseres Seins. Das göttliche Kind ist Symbol für alles Geschaffene. Der Evangelist Johannes beschreibt dies so: in ihm ist alles geschaffen. Es gibt nichts, was nicht in Gott existiert. Es dauert lange, bis wir dies erkennen: Es ist in jedem Stein, in jeder Pflanze, jedem Tier, jedem Mensch.

Um diese Erfahrung, um diese Weltsicht geht es in der Kontemplation. Mich auf den Weg machen, der Stille zu trauen, sie zu pflegen. Gerade wenn es dunkel und Nacht wird, das Sitzen leer und zäh erscheint, die Verlockungen groß werden. Gleichwohl meinem Leitstern folgen und den Weg Schritt für Schritt gehen. Dieser Weg wird mich ins Alltägliche führen, zu dem, was Augenblick für Augenblick neu geboren wird. Mir werden die Augen aufgehen und das Herz und in mir wird aufleuchten: Es gibt nichts, was nicht göttliche Epiphanie wäre.

In diesen Wochen des Jahreswechsels  ist mir die Geschichte sehr nahe. Es war ein vielfach besonderes Jahr für mich. Das Jubiläum zu Beginn, meine berufliche Orientierung und dann natürlich die Erkrankung. Es gab und gibt für mich manches Dunkel, manche Offenheit, vielfaches Nichtwissen zu gewahren, auszuhalten und darin nach dem Leitstern zu schauen. Was wird sein, wie wird es kommen? All dies wussten die drei Weisen nicht. Es ging immer nur um diesen Schritt, dem Stern zu folgen. Jetzt. Und so ist mir eine tiefe Erfahrung dieses Jahres geworden, was ich ja immer schon auch wusste: Die Kostbarkeit des Augenblicks und das Wunder des Lebendig seins gibt es immer nur hier und jetzt – und dann jeden Augenblick neu. Aber eben nicht im Voraus. Willigis hat recht: Es lohnt sich, alles auf eine Karte zu setzen, um die Epiphanie in allem zu erkennen. Darum geht es in unserer Übung.

Gegenwärtig werden die Überlegungen zu meinem nächsten Wegabschnitt konkreter. Wenn die nächste Nachsorge ähnlich wie die letzte verläuft, werde ich im Februar/März einige Wochen in Todtmoos-Rütte verbringen, um dann in den Dienst zurückzukehren. Ich möchte dies mit dem Kontemplationstag am 28. März tun. Dieser wird in der Christuskirche in Bad Homburg stattfinden. An ihn schließt sich um 17.00 Uhr eine öffentliche Feier des Lebens – Gottesdienst aus der Stille an. Beides war schon lange geplant und ich hoffe sehr, dass es in dieser Weise stattfinden kann.

So möchte ich an dieser Stelle auch allen herzlich danken, die Veranstaltungen der Weggemeinschaft in dieser zurückliegenden Zeit vorbereitet, angeboten, durchgeführt oder besucht haben. Dass dies so möglich war, habe ich als große Ermutigung erlebt und lade Euch herzlich ein, an der gemeinsamen Praxis festzuhalten. Ich freue mich sehr, dann wieder dazu kommen zu können.

So wünsche ich von Herzen eine gute Gegenwart in diesem neuen Jahr und das Erleben der göttlichen Epiphanie in allem.


Sven-Joachim Haack

 

HINWEIS: Bitte lesen Sie unbedingt hierzu die Ergänzung zu diesem Monatsbrief von Christina Wingert-Weber hier