Monatsbrief Juni – Juli 2013

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Friedrichsdorf, vor den Sommerferien

So wie der Baum nicht endet
an der Spitze seiner Wurzeln oder seiner Zweige,
so wie der Vogel nicht endet an seinen Federn und seinem Flug,
so wie die Erde nicht endet an ihrem höchsten Berg:
so ende auch ich nicht an meinem Arm, meinem Fuß, meiner Haut,
sondern greife unentwegt nach außen hinein
in allen Raum und alle Zeit mit meiner Stimme und meinen Gedanken,
denn meine Seele ist das Universum.

Norman H. Russel, Cherokee-Indianer

 

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten,
liebe an Mystik und Kontemplation-Interessierte!

Mit diesem Monatsbrief folgen die letzten Hinweise auf Möglichkeiten gemeinsamen Praktizierens vor der Sommerpause.

Der vorangestellte Text aus dem Spiritletter von Publik Forum weist auf eine Erfahrung der Entgrenzung bei gleichzeitiger Verbundenheit hin, die wir sowohl mit unserem Üben, wie auch mit unserem Aufenthalt in der Natur einladen: Unsere Vorstellung der monistischen Abgegrenztheit ist Illusion. Wir enden nicht mit unserer Körpergrenze und reichen weit darüber hinaus. Dies merken wir, wenn uns jemand zu nahe kommt, lange vor einer körperlichen Berührung. Wir nehmen es wahr in den Atmosphären eines Raumes oder einer Gruppe. Wir spüren dies in unserer Fähigkeit zu Einfühlung in einen anderen Menschen und in Naturerfahrungen, die unser Herz öffnen und unsere Ich-Grenze durchlässiger machen.Diese Öffnungen in ein umfassenderes Wahrnehmen ist Frucht der Übung, unserer Arbeit an wachsender Durchlässigkeit für das Sein und die gegenwärtige Präsenz. Ihnen werden vielfältige Namen gegeben. Aber diese sind nicht entscheidend. Sie alle helfen ein wenig, die Phänomene zu erklären und grenzen das Verstehen als Konzept auch gleich wieder ein.Insgesamt nähren diese Erfahrungen unser Erleben von Verbundenheit, wecken Staunen und Ehrfurcht und bereiten Einheitserfahrung vor. Sie haben eine tiefe heilsame Wirkung, denn sie geben mir einen realistischen Platz auf der Erde, stellen mich sozusagen an meinen konkreten Ort. Sie schaffen ein konkretes Hier und Jetzt in Zeit und Raum, grenzen mich aufdiese einzigartige und unverwechselbare Person ein, die ich bin. Gleichzeitig lehren sie mich die Verbundenheit über Raum und Zeit hinweg. Sie lehren mich meinen „himmlischen Ursprung“ und lassen mich etwas von der immanenten Transzendenz kosten, der ich mein Person-sein verdanke.

So wünsche ich von Herzen solche Erfahrungen in der vor uns liegenden Sommerzeit. Ich wünsche eine gute Zeit der sommerlichen Fülle und freue mich auf gemeinsames Kultivieren der Stille und weitere Weggemeinschaft.

Sven-Joachim Haack