Monatsbrief November 2013

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Und dann meine Seele sei weit, sei weit,

dass dir das Leben gelinge.

Lege dich wie ein Feierkleid

über die sinnenden Dinge.

Rainer Maria Rilke

 

 

Liebe Mystik- und Kontemplationsinteressierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still. So beginnt dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke. Lauschen und Staunen sind zwei Grundbewegungen auf dem mystisch-kontemplativen Weg. Beide führen uns in die Stille. Und dann geschieht dies, wovon die zweite Strophe des Gedichtes spricht: Das Schweigen wird beredt. Dies ist eine tiefgreifende Erfahrung, ein Angesprochen sein auf einer anderen, tieferen Ebene: „Und wenn dir einmal das Schweigen sprach, dann lass deine Sinne besiegen. Jedem Hauche gib dich, gib nach, er wird dich lieben und wiegen.“

Diesem in Einklang kommen folgt der dritte Schritt, von dem die letzte Strophe des Gedichtes spricht: „Und dann meine Seele sei weit, sei weit, dass dir das Leben gelinge.“ Lauschen und Staunen führt in die Stille. Die Stille wird beredt und bringt uns in Kontakt mit unserer Intuition und dies erleben wir als Weite der Seele. Nicht mehr eng, abgezirkelt, definiert über Effektivitätsziele, im Druck und gedrückt, sondern weit, schwebend, licht. Das Gelingen des Lebens hat mit der Erfahrung dieser Weite zu tun. Und so ist die Weite selbst ein Tor in den Raum transpersonaler Erfahrungsqualitäten. Transpersonal, weil sie nicht von mir oder meinem Wollen, Tun oder Machen, nicht von meiner Person abhängt. Diese Weite ist als Qualität gegenwärtig, auch wenn ich gerade keinen Zugang zu ihr habe. Manchmal wird sie als leere oder stille Weite erfahren. Ein offenes Gewahrsein, reine Präsenz, in die insbesondere auch die Übungsweise der Bewusstseinsentleerung zu führen vermag.

„Lege dich wie ein Feierkleid über die sinnenden Dinge.“ Die Weite der Seele als Feierkleid im Alltäglichen. Hier wird die Verbindung zur Grundbewegung der kontemplativen Übung nochmals besonders deutlich: Sie führt in die Gegenwärtigkeit, macht geistesgegenwärtig. Nun sind es aber gerade die Zerstreuung und das seelenlose Funktionieren, die uns innerlich aushöhlen und fremd sein lassen im eigenen Leben. Mit jeder Rückkehr in meine Übung, mit jeder bewussten Fühlungnahme mit dem Augenblick im Alltag beseele ich diesen. Ich werfe das Feierkleid über die sinnenden Dinge. Damit werden meine fünf Sinne beseelt und selbst Eingangstor in die tiefere, wirklichere, göttliche Wirklichkeit. Wir kennen diese Erfahrung in unterschiedlicher Tiefung vermutlich alle aus Momenten, in den die Welt irgendwie farbiger, die Dinge lebendiger, die Menschen schöner erscheinen. Antlitz der ursprünglichen Schönheit nennt dies die orthodoxe frühkirchliche Theologie. Das macht das das Leben zu einem Fest und jeden Atemzug, jede Lebensbewegung zu einer Celebration. Wir erfahren etwas von der Kostbarkeit des Augenblicks, dem Wunder des Lebendig seins, dem Geheimnis meines Lebens und alles Lebendigen und vom Mysterium der göttliche Gegenwart in allem und jedem.

Diesem Weg fühlen wir uns als Weggemeinschaft verpflichtet, dem wollen wir dienen. So freue ich mich auf das vor uns liegende Jubiläum unserer Weggemeinschaft, mit dem wir die Erfahrungen des Weges des letzten Jahrzehnts feiern wollen:

Festvortrag und Empfang
Kontemplation und Mystik – Spiritualität und Lebenskultur aus der Stille
Donnerstag, den 16. Januar 2014 um 19.30 Uhr in der salus klinik Friedrichsdorf

Kontemplationstag und Tag der Weggemeinschaft
Sitzen in der Stille, Vortrag, Austausch und Begegnung, gemeinsames Abendessen (wie immer mit der Bitte etwas mitzubringen. Für Brot und Getränke ist gesorgt.)
Samstag, den 18. Januar von 10.00 – ca. 20.00 Uhr in der Christuskirche Bad Homburg

Feier des Lebens – Gottesdienst aus der Stille
Kontemplation – Wegweisung der Mystik – Mahlfeier
Sonntag, den 19. Januar um 17.00 Uhr in der Christuskirche Bad Homburg

Demnächst stehen Plakate und Handzettel für die Einladung bereit. Bitte überlegt, wen ihr persönlich einladen wollt, oder wo ihr Plakate aufhängen oder Handzettel auslegen könnt. Ich freue mich sehr auf dieses Fest.

Aber natürlich gibt es bis dahin noch andere Angebote des gemeinsamen Praktizierens:

1. Achtung – Achtung – Achtung: Terminänderung
Kontemplationstag Heilsame Klänge am 9. November
(anstatt 2.11.)
Wegen einer anderen terminlichen Verpflichtung ist diese Verschiebung nötig.

Diesen Tag werde ich gemeinsam mit Eva Wolf gestalten. Die bereits Angemeldeten bitte ich um nochmalige Anmeldung zum neuen Termin.

2. Abend der Stille und Kontemplation,
donnerstags 19.30 – 21.30 Uhr              
salus klinik, Raum C 187

3. Einführung in die stille Meditation
6. November von 17.30 -18.30 Uhr
salus klinik Raum C187

4. Spiritualität in der Sterbebegleitung - Modul 2
16. November 2013 (geschlossene Gruppe)

5. Vortrag beim Medenbacher Gesundheitstag
Pfarrscheune der Ev. Kirchengemeinde Medenbach am 17. November um 17.00 Uhr: Achtsamkeit und Stille als Lebenskultur – Burnout-Propylaxe

6. Bitte um Mithilfe: Versand der Jahresprogramme und Jubiläumseinladungen am 21. November um 8.30 Uhr im Vitos Waldkrankenhaus

7. Dreijähriges Kontemplationstraining
27. November bis 1. Dezember (geschlossene Gruppe)

8. Kontemplationstag am Beginn des Advent
7. Dezember 2013 Vitos Hochtaunus 10.00 – 18.00 Uhr

9. Weihnachtskurs im Benediktushof 22. – 25. Dezember

Nun freue ich mich auf die kommende Zeit und auf ein Wiedersehen

Sven-Joachim Haack