Monatsbrief April - Mai 2013

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Mehr als alles hüte Dein Herz,

denn von ihm geht das Leben aus.

Die Bibel, Sprüche Kapitel 4, Vers 23

 

Abbas Pambo sprach:

Wenn Du ein Herz hast,

kannst Du gerettet werden

Apophtegmata patrum

 

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten,
liebe an Mystik und Kontemplation Interessierte !

Allmählich befinde ich mich nunmehr auf dem Rückweg aus der Zeit meines Studienurlaubs und meiner inneren Einkehr. Mit diesem Monatsbrief weise ich auf die nächsten Möglichkeiten der Stille-Praxis hin, bei denen ich wieder dabei bin.

Zuallererst möchte ich jedoch herzlich Dank sagen: Es war mir eine tiefe Freude, dass die gewohnten Rhythmen unserer Weggemeinschaft auch in dieser Zeit stattfanden. So danke ich allen, die einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Angebote in diesen Monaten geleistet haben, insbesondere der Gruppe der Assistentinnen und Assistenten, die anleiteten und unterstützten. Dankbar und ein wenig stolz bin ich aber auch dafür, dass die Angebote wahrgenommen und die Stille und Achtsamkeitspraxis damit fortgeführt wurde. Ich erachte es als eine große Kostbarkeit, dass dies unserer Weggemeinschaft in dieser Weise möglich war.

Diese zurückliegende Zeit kreiste für mich um den Begriff des Herzens. In der spirituellen Tradition wird darunter die Wesensmitte des Menschen verstanden. Davon sprechen auch die obigen Zitate: Hüte Dein Herz, gib acht auf es, pflege es, denn von ihm geht die Lebendigkeit aus. Berührbar sein, Mitgefühl kultivieren und die Stille pflegen öffnet das Herz. Die Stille hüten heißt gleichzeitig auch sein Herz zu hüten. Ist das so? Ich glaube schon. Gleichzeitig beschäftigte mich in den zurückliegenden Wochen die Frage nach dem Verhältnis von Praxis der Stille und der persönlichen Prägung und Disposition. Kann ich alles „aussitzen“ auf meinem Kissen, Hocker oder Bänkchen und dadurch meine Grundkonflikte befrieden? Nun bin ich überzeugt, dass das Sitzen in der Stille vielfältige heilsame Wirkungen hat. Es hilft mir, den inneren Spiegel zu putzen und damit klarer sehen zu können, was ist. Es fördert eine Verankerung in der Präsenz und dem Sein, die mir hilft, aus dem wenig bewussten und musterhaft ablaufenden Reiz-Reaktions-Schema heraustreten zu können. Es fördert also Gewahrsein und Achtsamkeit.

Gleichwohl begegneten mir im Laufe der Jahre immer wieder Praktizierende aller Richtungen, die eine sonderbare Härte ausstrahlten. Manchmal ist diese sogar mit einer Ausstrahlung verbunden, in deren Gegenwart sich ein Gefühl von Freudlosigkeit einstellt und dies ein Empfinden von eigener Unzulänglichkeit weckt. So gibt es Menschen, die trotz – vielleicht sogar wegen – ihrer Übung verbitterten und irgendwie hart wurden.  Zudem beschäftigte mich das personale Fehlverhalten namhafter spiritueller Lehrer wie es gegenwärtig insbesondere im Integralen Forum diskutiert und dokumentiert wird. Wie kann das sein, dass hoch autorisierte spirituelle Lehrerinnen und Lehrer Probleme mit den Themen Macht, Sexualität, psychoaktive Substanzen bekommen. Müsste nicht die Erleuchtungserfahrung dies alles auflösen? Zudem begegneten mir gerade in der Zeit in der Einsiedelei zunächst durchaus ähnliche Momente der Härte und Unberührbarkeit meines Herzens und des Be- und Verurteilens.

Das Herz zu hüten, Verantwortung für die inneren Impulse zu übernehmen und Freundlichkeit, Mitgefühl und liebende Güte zu kultivieren scheint mir neben der Pflege der Vertiefung der Stille und des Gewahrseins ein wesentlicher Bestandteil des inneren Weges.

So beschäftigten mich in den letzten Monaten auch Übungen, insbesondere aus der Vipassana Tradition, die dies ins Zentrum des Praktizierens setzen. Bevor ich zu Willigis kam, habe ich ja einige Zeit in der Tradition Ayya Khemas und bin ich auch von Jack Kornfield sehr inspiriert worden. Ich bin sehr gespannt, wie sich dies in meinem Anleiten und Begleiten zukünftig niederschlagen wird. Erste Anfänge davon erlebte ich schon beim Osterkurs auf dem Benediktushof.

Nun freue ich mich auf die Rückkehr in den nächsten Wochen. Bitte habt Verständnis, dass ich nicht direkt nach Arbeitsbeginn auf alle Anfragen und Mails der letzten Monate antworten kann. Dazu ist die Zahl einfach zu groß. Ich werde mich allmählich durcharbeiten. In dringenden Fällen, die keinen Aufschub dulden, bitte ich um Kontaktaufnahme ab dem 22. April.

Noch ein Hinweis: Wer selbst eine Auszeit in der Stille für sich plant, dem sei der Hof Meinecke empfohlen. Dort gibt es am Rande der Heide die Möglichkeit, morgens und abends an dem Sitzen teilzunehmen, gleichzeitig aber bei Wunsch in vollständigem Schweigen zu bleiben. Ebenso ist es möglich, bei Gisela Meinecke Einzelstunden in Initiatischer Wegbegleitung (oder bei ihrem Mann Wolfgang in TZI) zu nehmen. Ich kenne Gisela seit Mitte der Neunziger Jahre, war einige Jahre mit ihr in einer Ausbildungsgruppe und schätze sie sehr. Es ist ein wirklich guter Ort mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten für eine stille Zeit. Im Anhang findet Ihr weitere Informationen. Wer Interesse an einer solchen stillen Zeit hat, kann mich gern ansprechen. Nun aber die Hinweise zu gemeinsamem Üben hier in unserer Weggemeinschaft:

1. Kontemplationskurs im Haus der Stille Waldhof Elgershausen 18. – 21. April
Dieser Kurs ist sowohl geeignet als Einführung, wie auch zur Vertiefung der kontemplativen Praxis. Ich bin gespannt, ob er zustande kommen wird. Ich möchte ihn aber möglichst weiterhin trotz des Trainings halten, um insbesondere all  denjenigen die Gelegenheit zu geben, die nicht am Training teilnehmen. Für Menschen, die sich unserer Weggemeinschaft annähern ist er die einmal jährliche Möglichkeit zu einer gründlichen Einführung ins Sitzen in die Stille. Für Eingeführte ist in Ausnahmefällen auch eine Teilnahme ab Freitagabend möglich.

 2. Abend der Stille und Kontemplation, Donnerstags von 19.30 – 21.30 Uhr in der salus klinik. Ab dem 25. April werde ich wieder dabei sein. Vorher finden die Abende selbstverständlich ebenfalls statt.

3. Singen, das die Seele beflügelt, Freitag, den 26. April 19.00 Uhr in der salus Klinik Wieder ist das Duo „So viel Himmel“ mit Susanne Mössinger und Klaus Nagel zu Gast. Lieder aus unterschiedlichen Traditionen zum Zuhören, Mitsingen und zum Bewegt werden.

4. Kontemplationstag intensiv am 27. April in der Oase im Waldkrankenhaus Köppern. 10.00 – 18.00 Uhr  Ein Tag der intensiven Übung der Stille. Dabei wird auch die Mahlzeit im Raum der Stille eingenommen. Das Sitzen in der Stille und die Kultivierung der Freundlichkeit in der Übung stehen dabei im Vordergrund.

5. Kontemplation im Sitzen, Gehen, Laufen vom 5. – 8. Mai auf dem Benediktushof Dieser Kurs legt besonderes Augenmerk auf den Wechsel von Sitzen in der Stille und Bewegung. Er ist damit geeignet, den Transfer der Haltung der Übung in den Alltag zu befördern. In besonderer Weise werden wir Gewahrsein in Übergängen einüben.

6. Assistenten-Treff am 15. Mai um 18.30 Uhr

7. Geschichten der Weisheit und meditative Musik am Donnerstag, den 23. Mai um 20.00 Uhr in der salus klinik Nach dem Abend mit den Weisheitsgeschichten im vergangenen Jahr war die Resonanz so gut und mein Spaß daran so groß, dass ich einen solchen Abend auch in diesem Jahr wieder anbieten möchte. Einige Geschichten der Weisheit werden erzählt, dazu Musik von Ralf Schneider (Saxophon), Martin Schmitz (Flöten und Saxophon) und Ferdinand Leist (Gitarre, Gong, Klangschale, Percussion und Obertongesang). Dieser Abend findet im Rahmen der Friedrichsdorfer Gespräche der ACGF und des Abends der Stille und Kontemplation statt. Wer Interesse hat, kann zur gewohnten Zeit um 19.30 Uhr zum Sitzen kommen und eine Runde in der Stille sitzen.

Jubiläumswochenende in Langenhain
Im Studienurlaub habe ich mein 25-jähriges Ordinationsjubiläum in der Stille begangen. Nun stehen in diesem Jahr zwei weitere Jubiläen an. Das erste ist dieses Wochenende, an welchem 20 Jahre des Projektes „Geistlich-spirituelles Leben wagen“ begangen wird. Der Anfang des Projektes stellt für mich den Beginn des kontinuierlichen Anleitens von Wegen in die Stille dar. Die ersten zehn Jahre des Projektes waren dabei durch mich geleitet, seitdem durch ein kleines Team. Dass diese Arbeit nach meinem Wechsel nach Friedrichsdorf weiterging, erfüllt mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit. So folge ich der Einladung zur Feier dieses Jubiläums von Herzen gern und lade alle, die mit mir verbunden praktizieren dazu ins Ev. Gemeindezentrum Hofheim-Langenhain, Alt-Langenhain 37 - 39 ein. Selbstverständlich ist es möglich, einzelne Veranstaltungen zu besuchen. Zu allen drei Veranstaltungen gibt es Mitfahrgelegenheit ab Friedrichsdorf.

8. Vortrag, Übung und Gespräch: Meine Verabredung mit dem Leben nicht verpassen – Die Kunst, ein beseeltes Leben zu führen am 24. Mai um19.30

9. Tag der Stille am 25. Mai von 10.00 – 16.00 Uhr Dabei wird es sich nicht um einen reinen Kontemplationstag handeln. Phasen des Sitzens in der Stille, der Bewegung, des Austausches und möglicherweise eine Labyrinth Begehung werden sich abwechseln.

10. Gottesdienst aus Anlass des Jubiläums am 26. Mai um 10.00 Uhr Ich freue mich auf diese gottesdienstliche Feier dieser Jahrzehnte und lade herzlich dazu ein.

11. Dreijähriges Kontemplations-Training vom 29. Mai – 2. Juni im Benediktushof

Nun freue ich mich auf ein Wiedersehen, das gemeinsame Praktizieren und weitere Weggemeinschaft auf dem Weg der Achtsamkeit des Herzens.

 

Sven-Joachim Haack