Monatsbrief September – Oktober 2012
Liebe Kontemplations- und Mystik Interessierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten !
Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Wir gehen auf die Tag-und-Nacht-Gleiche Ende September zu. Bald werden die Nächte länger als die Tage sein. Dieses äußere Verlöschen des Lichtes hat die alte Kirche auch als inneres Geschehen betrachtet. So gilt es, die Farben, Formen und Früchte des Jahres nochmals wahrzunehmen (Erntedank) und zwar die äußeren und die inneren. Und es gilt, sich dem Dunkel auszusetzen, ihm nicht auszuweichen, ihm standzuhalten (St. Martin, Buß- und Bettag, Gedenken der Verstorbenen). Das Thema des Schattens und der Auseinandersetzung mit dem Destruktiven, Zerstörerischen steht in dieser Zeit im Vordergrund. Und so war es in der Gestaltung des Kirchenjahres eine weise Entscheidung der Kirche, an diese Schwelle des Überganges den Erzengel Michael, den Drachenkämpfer, zu stellen. In seiner mythischen Gestalt wird etwas von den Aufgaben dieser Zeit deutlich: Es gilt, unser Ausweichen, Fliehen, Ablenken aufzugeben und uns dem Dunklen anheim zu geben.
Eine der klassischen Formen, dies zu tun, ist der Weg in die Stille. An Antonius, dem Prototyp der Wüstenväter, wird dies gezeigt. Er begegnet beim Rückzug in die Stille der Wüste furchtbaren Fratzen und dämonischen Kräften, mit denen er sich auseinandersetzen muss, um zur Hesychia, der Herzensruhe, zu gelangen.
Nun stellt der Lauf des Kirchenjahres gleichzeitig auch den Weg unserer Menschwerdung dar, den spirituellen Weg als Ganzes. Und so ist wichtig zu realisieren, dass die Begegnung mit dem Dunklen, Destruktiven und Schmerzlichen auch unaufhebbarer Bestandteil des spirituellen Weges ist. Es kann nicht ausreichend betont werden, dass es dieser Auseinandersetzung mit unserem personalen Gewordensein, unseren Prägungen und Mustern bedarf, um nicht einer Täuschung anheim zu fallen. Der spirituelle Weg führt zuallererst in eine vertiefte, klarere Wahrnehmung dessen, was ist. Dem auszuweichen führt zum „spirituell bypassing“, einer der größten Verführungen auf dem spirituellen Weg. Diese mündet dann in vielfältige Spaltung (z.B. in das “Eigentliche“ der spirituellen Praxis und den irgendwie beschwerlicheren „uneigentlicheren“ Alltag).
Michael steht für die Auseinandersetzung mit den Kräften in mir, die mich immer wieder in ihren Bann ziehen und das tun lassen, was ich ursprünglich nicht wollte. Eine hervorragende Möglichkeit dazu besteht in dem absichtslosen Sitzen in der Stille, dem wachen Wahrnehmen dessen, was gerade ist, im Bergen und Austragen der Turbulenzen, die in mir auftauchen, wenn ich der Sehnsucht nach Stille folge. „Geh in dein Kellion (deinen stillen Ort) und dein Kellion wird dich alles lehren“ ist eine der grundsätzlichen Aufforderungen der Wüstenvater. „Halte es in der Stille bei dir aus“. Dies üben wir immer wieder auf dem kontemplativen Weg und manchmal fühlt es sich an wie ein Drachenkampf.
Dem dienen die Angebote unserer Weggemeinschaft zur gemeinsamen Übung der Stille und inneren Klärung in diesem Herbst, zu denen ich wieder herzlich einlade. Zunächst aber eine Absage:
Das geplante Friedrichsdorfer Gespräch mit Susanne Weik am 19.9. fällt wegen Erkrankung der Referentin aus. Wir hoffen auf ein Zustandekommen im neuen Jahr.
1. Singen, das die Seele beflügelt Samstag 22. September
15.00 Uhr im Kulturcafe des Waldkrankenhauses Köppern und um 19.00 Uhr in der salus klinik
Das Duo „So viel Himmel“, Susanne Mössinger und Klaus Nagel, lädt wieder zum Mitsingen ein. Dieses Mal gibt es versuchsweise in beiden Kliniken Gelegenheit dazu. Beide Veranstaltungen sind offen für Menschen, die Lust am Singen oder Hören spiritueller Lieder aus unterschiedlichen Traditionen haben. Mir liegt dieses Angebot sehr am Herzen. Ich würde es gern hier in unserer Region etablieren. Und so freue ich mich sehr über Zuspruch.
2. Vortrag: Spiritualität: Aus der Quelle des Sinns trinken – meine Verabredung mit dem leben nicht verpassen, Ev. Gemeindehaus Bremthal, 26. September, 20.00 Uhr
Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe findet in Eppstein-Bremthal dieser Vortrag statt.
3. Kontemplation und Bibliodrama am 29. September in Hofheim-Langenhain
Dieser Tag findet in gewohnter Weise, aber anderem Ort, von 10.00 – 18.00 Uhr statt. Im Zentrum steht die Geschichte einer Heilung, der Befreiung von dämonischen Kräften. Was dies für uns bedeuten könnte, wollen wir in diesem Tag erforschen. Dabei wird es einen Wechsel von Stille und innerer und äußerer Auseinandersetzung mit dem Text geben. Mitfahrgelegenheit ab Friedrichsdorf salus klinik. Diese bitte bei der Anmeldung angeben. Der Richtpreis an diesem Tag beträgt 45,-€. Wie immer sind Patienten und Mitarbeitende der Kliniken frei.
4. Assistententreff am 10. Oktober von 18.30 – 22.30 Uhr
5. Kontemplationstag am 27. Oktober von 10.00 – 18.00 im Waldkrankenhaus Köppern: Kontemplation und heilsame Klänge
Dieser Tag verbindet das Sitzen in der Stille mit heilsamen Klängen, inneren und äußeren, durch Klangschalen, Tönen und mantrisches Singen.
6. Jahresvortrag der Weggemeinschaft am 31. Oktober um 20.00 Uhr in der salus klinik im Rahmen des Friedrichsdorfer Gesprächs: Versöhnung mit sich selbst und anderen – dem Frieden eine Chance geben.
Dieser Jahresvortrag widmet sich dem Thema der Versöhnung und Vergebung
Vorschau:
- 3. November, 10.00 – 18.00 Uhr: Spiritualität in der Sterbebegleitung: Aus der Quelle des Sinns trinken – mein spirituelles Lebenspanorama
- 7. November, 20.00 Uhr: Oberstedtener Turmgespräch: Umgang mit Gewalterfahrung
- 11. November, 10.30 Uhr: Gottesdienst Ev. Gemeinde Oberstedten: Versöhnung mit sich selbst und anderen – dem Frieden eine Chance geben
- 14. November: Usingen, Hugenottenkirche 20.00 Uhr: Vortrag: Belastungen meines Lebens – Kann der Glaube helfen?
- 15. – 18. November: Kontemplationskurs der Weggemeinschaft im Haus der Stille
- 8. Dezember: Kontemplationstag im Advent: Achtung: Dieser Termine wurde eine Woche nach hinten gelegt.
Kontemplationstraining 2013-15
Mittlerweile läuft die Voranmeldphase direkt bei mir Ende der Woche ab. Das Training wird zustande kommen. Die Resonanz ist sehr groß. Wer noch auf die Liste möchte, möge sich melden. Ende der Woche sende ich die Unterlagen an den Benediktushof. Danach Anmeldung direkt dort.
Nun wünsche ich eine gute Herbstzeit und freue mich sehr auf weitere Weggemeinschaft und gemeinsames Praktizieren.
Sven-Joachim Haack
