Monatsbrief Mai 2020

 

Monatsbrief Mai 2020

 

Gedächtnisglocke der Menschheit

Es ist die eigentliche Gefahr des Menschen,

zu versimpeln.

Man sollte täglich zu einer festgesetzten Stunde

einen Glockenton durchs ganze Land gehen lassen,

der keine andere Bedeutung hätte als die,

den Menschen in Erinnerung zu rufen,

dass sie nicht nur Bürger von diesem Namen und jenem Stande seien,

sondern unerforschliche Teile des Unerforschlichen.

Man müsste eine eigene Glocke dafür erfinden…

Eine Gedächtnisglocke des Menschen.

-          Christian Morgenstern

 

 

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!                                                    

Liebe Mystik- und Kontemplationsinteressierte!

 

Nun bin ich spät dran mit diesem Monatsbrief. Aber ich wollte abwarten, was in diesem Monat möglich sein wird im Rahmen der beginnenden Lockerungen für unsere gemeinsame Praxis. Dazu unten mehr.

Es ist die eigentliche Gefahr des Menschen zu versimpeln, warnt Christian Morgenstern. Das scheint mir in zwei Richtungen zu weisen, von der er eine entfaltet. Die eine besteht darin, im Alltag und Alltäglichen unterzugehen, in einem Modus des seelenlosen Funktionierens. Klar das ist eine Fähigkeit und Kompetenz, aber eben auch eine Gefährdung: ohne Innehalten, Unterbrechung und Seelenverbindung höhlt dieser Existenzmodus innerlich aus, macht leer und hohl, lässt das Leben schal und uninspiriert leblos werden. „ Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komme nur so selten dazu!“ beschreibt Ödön von Horvath dieses Lebensgefühl, welches uns ja schon oft beschäftigt hat.

Die zweite Richtung dieses Versimpelns besteht ebenfalls in einem Identitätsverlust. Wir vergessen unsere wahre und tiefste Natur, grenzen uns selbst ein auf das Vordergründige, Sichtbare, Be- und Verrechenbare, glauben uns unsere eigenen endlos erzählten eigenen Geschichten, die in Dauerschleife in uns ertönen: Selbstkonzepte, Muster, Deutungen, Vorstellungen von uns selbst, die wir für Wirklichkeit halten. Damit grenzen wir uns ein, machen uns klein und vergessen, wer wir zutiefst sind.

Man sollte täglich zu einer festgelegten Stunde eine  Klang durchs ganze Land ertönen lassen, der keine andere Bedeutung hätte, als uns zu erinnern, dass wir nicht nur Bürger dieses Namens und jenes Standes seine, also nicht nur begrenzt auf unser irdische, raumzeitliche Existenzform, sondern unerforschliche Teile des Unerforschlichen. Wir sind unendlich mehr, als wir von uns selbst denken und unsere Geschichten uns erzählen. Denn wir sind himmlischen, überraumzeitlichen Ursprungs, Berufung und Zukunft. Wir sind Ausdruckform und Weise des EINEN, des unerforschliche und Göttlichen und Ursprünglichen.

Immer und immer wieder braucht es Gedächtnisglocken dafür, die uns in diese Dimension der Wirklichkeit immer aufs Neue hineinrufen. Eine solche Gedächtnisglocke ist unsere Praxis, das Sitzen in Stille. Ja, jedes Verneigen lädt und ruft uns in diese Perspektive hinein. Und wir brauchen das gegen das Vergessen, selbst wenn wir den Geschmack des Einen bereits geschmeckt haben du  erwacht sind.

Immer wieder die Einladung heimzukehren, Anzukommen im unerforschlich Wirklichen, Urgründigen. Letztlich nichts anderes als der Heimruf in den gegenwärtigen Augenblick und seine Kostbarkeit.

Dem dient unsere Praxis, die immer noch so durch die Virenzeit beeinträchtigt ist. Deshalb müssen auch in diesem Monat die geplanten Praxiszeiten entfallen oder ins Digitale verlegt werden.

Nach wie vor ist die salus Klinik für Gäste geschlossen und auch ich befinde mich aus Schutzgründen noch im Homeoffice. Auch der Benediktushof ist noch geschlossen, auch wenn die Hoffnung auf eine Öffnung Ende des Monats keimt.

Allerdings haben Erfahrungen in anderen Kontexten (Netzwerk dankbar leben, Jon Kabat-Zinn, Katrin Seidenfaden, Sitzen vom Hof morgens und abends und der Austausch mit den Anbietern der online Kurse des Hofes) meine digitale Skepsis etwas abgeschmolzen. Und so empfand ich die beiden Austauschgruppen unserer Weggemeinschaft und auch den ersten digitalen Abend der Stille ermutigend.

So wird es den Donnerstagabend bis zu meiner Rückkehr nach salus weiterhin verkürzt und vorgezogen (19.00 – 20.30 Uhr) als digitales Praxisangebot geben.  In dieser Woche Mi-Sa. werde ich das Modul des dreijährigen Trainings ebenfalls zu dieser Uhrzeit anbieten und es für Interessierte öffnen. Wer Lust und Zeit hat: herzlich willkommen:

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!

Auch in dieser Woche gibt es die Möglichkeit zu gemeinsamer Praxis.

DA ist wie immer der Donnerstagabend mit dem Abend der Stille und Kontemplation zur Coronazeit 19.00 – 21.30 Uhr.

 

Darüber hinaus habe ich ja angekündigt die Abende des 5. Moduls des Dreijährigen dieser Woche ebenfalls zu öffnen. Also herzliche Einladung:

Mittwoch: 19.15 -20.30 Uhr

Donnerstag-Samstag 19.00 – 20.30 Uhr

Der spätere Begin am Mittwoch liegt daran, dass ich für die Gruppe zunächst einen geschützten Austauschraum möchte. Deshalb bitte nicht früher einloggen, bzw. Du findest Dich in einem Warteraum, aus dem ich Dich dann zulasse. Dann folgt die Struktur der Donnerstage: zwei Anleitungen, dazwischen Gehen und Abendritual. Hier der Zugang:

Sven-Joachim Haack lädt Sie zu einem geplanten Zoom-Meeting ein.

Thema: Zoom-Meeting von Sven-Joachim Haack Abend der Stille und Kontemplation

Uhrzeit: Dies ist ein regelmäßig stattfindendes Meeting Jederzeit treffen

Zoom-Meeting beitreten

https://us04web.zoom.us/j/77183136078?pwd=UzUrU0UvcWlWV2F5RmgyTGQ1RHhhdz09

 

Meeting-ID: 771 8313 6078

Passwort: 6AyUzb

Ich freue mich, wenn Du dabei bist und wünsche Dir eine gute (achtsame, mitfühlende, fürsorgliche, liebevolle, wesentliche) Zeit.

 

Dieser Zugang bleibt über diese Woche hinaus für die Donnerstage bestehen.

Den Kontemplationstag in Langenhain am 23. Mai sage ich hiermit jedoch ab. Die Auflagen, zu denen er stattfinden könnte, sind mir zu hoch. Ich hoffe jedoch auf den 20.6. am Benediktushof. Hier ist bereits festgelegt: leibhaftig oder digitale, auf jeden Fall wird es ein Angebot von mir geben.

 

Neuerung Website: Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!

 

Kontemplationstag am 23. Mai in Langenhain:

Diesen habe ich mich entschieden abzusagen. Die Bedingungen, unter denen er stattfinden könnte sind so, dass ich mir das nicht gut vorstellen kann, was im Wesentlichen am Tanz liegt. Sitzen allein ist einfacher.

Ich hoffe jedoch auf den 20, Juni am Benediktushof. Dort ist schon fest verabredet: entweder leibhaftig analog, oder ich mache ein digitales Angebot.

 

Relaunch  Website:

Im Zuge des Umzugs zu einem neuen Server (zertifiziert klimaneutral) unserer Website findet ein Relaunch statt. Neben technischen Anpassungen finden sich zukünftig einige neue Rubriken (Frage des Monats, Videos, Vortragsaufnahmen und Übungsanleitungen). Vieles ist schon drauf, die meisten Vorträge kommen erst im Laufe des Mai. Aber ein Besuch lohnt sich schon jetzt. Übrigens: der Verteiler des Monatsbriefes wird gegenwärtig auch zur Information über kurzfristige Angebote in dieser außergewöhnlichen Zeit genutzt. www.kontemplationundmystik.de

Frage des Monats:  wie bereits angekündigt möchte ich jetzt mit dem Monat Mai jetzt die neue Rubrik Frage des Monats beginnen. Die Einladung also Fragen einzureichen, die die Theorie oder Praxis der Kontemplation  betreffen und verallgemeinerungsfähig sind. Die ganz persönlichen gehören weiterhin ins Einzelgespräch. Aus diesen werde ich eine auswählen und in einer kurzen Videobotschaft zu beantworten versuchen. Falls es mehrere Fragen gibt, könnte eine weitere Grundlage für den Impuls des Monatsbriefes darstellen. Ihr könnt die Fragen per mail einreichen. Sie werden jedoch anonymisiert beantwortet. Ihr findet die Antwort jeweils zu Beginn des Folgemonats auf der Startseite der Website. Ich bin gespannt sauf diesen Austausch.

 Das soll es für diesen Monatsbrief sein. Vieleicht begegnen wir uns ja in einem digitalen Raum oder in einem Einzelgespräch, welche ich gegenwärtig digital, aber  anlog anbiete.

In Vorfreude auf ein leibhaftiges gemeinsames Praktizieren und Üben grüße ich Euch herzlich

 

Sven