Monatsbrief September 2025
„Je langsamer Du gehst,
desto schneller wächst Du.“
Liebe Mystik- und Kontemplation-Interessierte!
Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten!
I. Diesen Satz habe ich von Verena König, einer Trauma-Therapeutin gehört,
gleichwohl er nicht von ihr stammt. Er stimmt nicht nur in diesem Kontext,
sondern für die inneren Wege insgesamt und so auch für den kontemplativen.
Und klar: In Raum und Zeit scheint er paradox zu sein. Schneller voran bringt
doch eher vorwärts als möglichst langsam.
Und vermutlich kennt ihr Praktizierende das gut von eurem Weg. Praktizieren,
um etwas erreichen zu wollen, voran kommen zu wollen. Ich erinnere mich gut an meine Anfänge:
Atembetrachtung. „Nur dieser eine Atemzug“ lehrte Willigis, „nur dieser eine Atemzug,
nur dieser eine Atemzug“. Nach dem zehnten Mal dachte ich: Weiß ich, kann ich, weiter,
das nächste bitte! Kam aber nicht, obwohl Willigis auch Übung mit dem Wort
und insbesondere das Schauen ins Nackte sein, das reine Gewahrsein, lehrte.
Und doch war fundamental zu realisieren: Da kommt nichts mehr, das ist es.
Der Weg ist bereits das Ziel. Und natürlich merke ich gerade heute - in diesem Dürckheim-Jahr
mit zwei Monaten Wochenimpulsen zur Formel der Verwandlung - wie wenig ich damals verstanden hatte.
Und auch jetzt, nach 30 Jahren der Übung, bin ich noch nicht auf dem Grund der Erfahrung angekommen.
Es braucht Erfahrungszeit, deshalb langsam. Langsam, aber stetig.
Auch weil alte Gewohnheitsenergien sehr mächtig sind und es oft lange, ja sehr lange braucht,
um eine kontinuierliche Praxis des kontemplativen Gebetes aufzubauen.
Die mit dem kontemplativen Weg verbundene Transformation ist ein langer, sehr langer,
nicht endender Weg. Und gleichzeitig, es wächst womöglich unmerklich etwas unter der kontinuierlichen Praxis.
Oder, wie Willigis in seinen letzten Jahren beharrlich immer wieder sagte und darauf vertraute:
„Die Übung wirkt, bis in die zellulare Struktur, bis in unsere Hirnstruktur hinein“.
Deshalb geht es auch nicht um unser Empfinden: Das war ein stilles Sitzen oder ein ganz Unruhiges.
Die Übung wirkt - dieses Vertrauen möchte ich gern säen.
Oft scheint dies nicht spürbar: Bei mir passiert nichts, trotz aller Treue zur Übung!
Da wächst nichts! Ich bin skeptisch. Oft steht dann ein Anspruch im Hintergrund,
der als Maßstab blockierend wirkt und sich an den großen Erleuchtungszeugnissen orientiert:
fünftägiges Dauerlachen des gerade erleuchteten Roshis oder Saulus vor Damaskus.
Solche Erfahrungen sind in der Tat nur wenigen Menschen geschenkt.
Deshalb lade ich zu einer kleinen Übung ein. Sie entstand diese Woche während eines Begleitgesprächs:
Wenn Du zurückschaust auf Deinen Weg, was sind die Transformationen, Entwicklungen,
Veränderungen, die Du mit der Übung in Verbindung bringst?
Vermutlich nicht primär während des Sitzens, sondern danach, drumherum wahrnehmbar?
Deine Früchte?
Ich weiß, dies ist auch eine gefährliche Frage, weil Du denken könntest: Da ist doch nichts, aber gar nichts.
Und doch, ganz fein gewahrend: Kann es sein, dass Du etwas an Ruhe zugelegt hast im Alltäglichen,
etwas weniger schnell an die Decke gehst und aus der Haut fährst, etwas stresstoleranter geworden bist?
Mag auch sein, dass Deine Muster, Konditionierungen, Prägungen oder Traumafolge-Störungen
etwas von ihrem eisernen Zugriff verlieren und du einen Spalt öffnen kannst zwischen Reiz und Reaktion,
um freier zu entscheiden, wie du reagieren willst. Mag sein, Du entdeckst eine Veränderung von Interessen,
was Themen, Personen, Tätigkeiten, Überzeugungen oder Haltungen angeht.
Vielleicht sind dir aber auch Dinge und Zustände unerträglicher geworden,
die du früher nicht als so belastend erlebt hast und Du realisierst eine zunehmende Berührbarkeit,
wachsendes Mitgefühl und Verbundenheit. Womöglich fällt es Dir leichter, Dich zugehörig zu fühlen,
oder Du bist Dir gegenüber gnädiger oder selbstmitfühlender geworden,
kannst den Moment mehr genießen und bist weniger in der Zukunft, kannst leichter deinem Erleben treu sein.
Wie gesagt - gefährlich. Es klingt so, als sollte dies so sein, als wäre dies der Maßstab. Das ist er nicht.
Und doch möchte ich Dich einladen, Deinen ganz persönlichen Früchtekorb der Kontemplation zu kreieren
und dem einmal Aufmerksamkeit zu widmen. Dem Kleinen, Feinen, Ahnungsvollen, Hauchzarten.
Nicht dauernd, als Erfolgskriterium, aber doch, Dir Deines Weges bewusst zu sein.
Natürlich bleibt es dabei - es gibt nichts zu erreichen. Der Praxisweg ist das Ziel
und jeder Moment der Praxis ist vollkommen und ausreichend.
Es geht um die Verantwortungs-Übernahme für eine Verfassung, die uns auf dem Weg der dauernden Verwandlung
und Transformation hält. Ihr wisst, wir Kontemplativen haben lebenslänglich!
So lasst uns praktizieren: mäßig, aber regelmäßig, nichts anstrebend und alles erwartend.
Lasst uns langsam gehen und schnell wachsen.
II.: Aus der Weggemeinschaft – Spendenaufruf Praxisbuch
Unser Antrag zur Vereinsgründung liegt weiterhin beim Amtsgericht Wiesbaden.
Wir haben die nachgeforderten Änderungen eingereicht und sind gespannt,
wann wir vom Status Vorverein in den e.V. wechseln.
Und das Leben geht weiter. Unsere Rezitationshefte sind ausverkauft. Deshalb ist eine erweiterte Neuauflage in Arbeit.
Aus der Rezitationssammlung wird ein Praxisbuch mit Rezitationstexten, Gesängen, Übungsanleitungen,
Wochenimpulsen. Die Vorlage liegt bei Jürgen zur Fertigstellung, dann geht es in den Druck.
Allein uns fehlt das Geld, die Patte, Kohle, Knete, Asche. So kam auf meinen Vorschlag hin
der Beschluss zu einem Spendenauftrag zustande. Alle, die nach dem Kostenbeitrag für die Donnerstage fragen
oder bei mir Begleitgespräche haben und fragen, wie sie es ausgleichen können:
Hier ist die Gelegenheit.
Zudem haben wir als Vorstand beschlossen, in diesem Jahr auf den Mitgliedsbeitrag zu verzichten
und erst 2026 damit zu beginnen. Alle, denen die Weggemeinschaft bedeutsam ist:
Hier ist die Möglichkeit beizutragen und zu unterstützen.
Wir benötigen voraussichtlich ca. 10.000 € für den Druck und würden gern die Hälfte bis drei Viertel auf diesem Weg aufbringen.
Diese Spende ist von der Steuer absetzbar. Da wir noch kein Vereinskonto haben, bleibt es bei dem alten Konto:
Zentrum Verkündigung der EKHN
Evangelische Bank
IBAN: DE10 5206 0410 0004 1131 10
Verwendungszweck: Abrechnungsobjekt 0192501 Praxisbuch der Weggemeinschaft
Schon hier: herzlichen Dank für alle Beiträge!
III.: Einladung zu gemeinsamer Praxis
Vorbemerkung: Die Anmeldezahlen für die meisten Angebote sind schwach.
Die große Ausnahme war und ist das Siebenjährige, die meisten anderen Kursangebote sind vom Ausfall bedroht.
Die Donnerstage waren stark eingebrochen, haben sich aber wieder erholt und auf niedrigem Niveau stabilisiert,
ähnlich ist es bei den Samstagen.
Ich und wir als Weggemeinschaft stehen damit nicht allein, am Hof ist es ähnlich.
Manche Kurse von renommierten Lehrenden kommen nicht zustande,
andere mit bisher langen Wartelisten sind nicht ganz voll. Ja, es gibt Gründe: bei uns die Zeit meiner langen Erkrankung,
die Wanderjahre nach dem Verlust der Heimat in Köppern, Corona und jetzt die unsicheren Zeiten
mit knappem Geld, Unsicherheit und dem Gefühl, das Geld beieinander halten zu sollen.
Doch beschäftigt es mich in mehrerlei Hinsicht. Einerseits in der Frage des Fortbestandes der Angebote.
Am Beispiel der Woche der Weggemeinschaft habe ich das ja bereits thematisiert.
In diesem Jahr habe ich trotz der geringen Anmeldezahl nicht abgesagt, aber als Gastkurs zugezahlt.
Der Kurs war klein und sehr fein, das ist aber so kein Zukunftsmodell.
So stehen die Formate auf dem Prüfstand. Deshalb schon hier:
Woche der Weggemeinschaft 2026
21. bis 26. Juni am Benediktushof.
Falls Du bereits jetzt Dein Jahr 2026 planst, denke früh an die Praxiszeiten,
sonst wird es kurzfristig zumeist nichts oder schwierig werden.
Falls Du Daten brauchst: Für das Jahresprogramm insgesamt fehlen noch einige Zusagen
und Klärungen, über Kurse bin ich aber bereits auskunftsfähig.
Frage also bei Interesse an Formaten bei mir nach. Auch gilt: Wenn die Teilnahme an der Kursgebühr hängt,
lass es mich wissen - daran soll und darf es nicht scheitern.
Jetzt aber zu dem Zentralsten: gemeinsame Praxismöglichkeiten.
Abend der Stille und Kontemplation donnerstags 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
bis 18. Dezember, außer dem 04. Dezember
Achtung: Plattformwechsel ab voraussichtlich 01.10.2025 Unser Anbieter connect4video ist pleite
und stellt den Dienst ein, wann, ist noch nicht ganz klar. Wir wechseln dann zu vistameet.
Zugang bis dahin wie gewohnt: Website rechte Spalte unter den aktuellen Terminen, Zugangslink anfordern.
Dort jetzt noch der Zoom-Zugang, sobald erforderlich dann per vistameet.
Wochenimpuls donnerstags nach dem Abend der Stille ab ca. 22.30 Uhr auf dem YouTube-Kanal der Weggemeinschaft.
Gern unterstützen durch Weiterleitung an potenziell Interessierte, Daumen hoch oder Abo. Danke!
Kontemplations-Samstag: 20. September, 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
ev. Gemeindezentrum Hofheim-Langenhain, Alt-Langenhain 37-41, Kontemplation und Labyrinth, bei Regen Kontemplation und Tanz.
Gottesdienst aus der Stille: 21. September, 17.00 Uhr
Kirche Heilig-Kreuz Frankfurt, Kettelerallee 45
Digitales Alltagsretreat 29.09. bis 08.10.
intensive Praxiszeit zuhause; Ablauf: 06.15 Uhr bis 07.30 Uhr und 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr.
Tagsüber Möglichkeit zum Einzelgespräch. Anmeldung über den Benediktushof.
Eine gute Möglichkeit, die Praxis zuhause zu stärken, zu etablieren und zu stützen!
Weiterhin:
10. Oktober: Schulungsgruppe (geschlossene Gruppe)
11.Oktober: Kontemplationstag Meditations-Zentrum Heilig-Kreuz
19. bis 22.Oktober: Kontemplation - heilsame Klänge - mantrisches Singen am Benediktushof. Anmeldung direkt dort.
31. Oktober: Jahresvortrag der Weggemeinschaft, 20.00 Uhr, Heilig-Kreuz
Geheimnis und Lob der Gemeinschaft - Weggemeinschaft leben und verkörpern
31. Oktober: Anmeldeschluss für Kontemplation und Ikonenschreiben Kolymbari/Kreta, 27. April bis 06. Mai 2026
02. bis 05. November: Siebenjähriges Training, Benediktushof
09. bis 14. November: Mystagogische Pastoral - anders von Gott reden.
Die Rede von Gott in Kontemplation und Mystik. Benediktushof. Anmeldung direkt dort.
29. November: 10 Uhr bis 18 Uhr, Ökumenischer Frankfurter Kontemplationstag mit Eucharistiefeier
Meditationszentrum Heilig Kreuz
30. November: Gottesdienst aus der Stille zum 1. Advent, Heilig Kreuz Kirche
18. Dezember: letzter Abend der Stille 2025
In Vorfreude auf gemeinsame Praxis
Sven
